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Prävention und Gesundheitsförderung in der Metropole Ruhr

Geschäftsfeld mit Zukunftsaussichten, aber noch ohne Konzept - aktuelle Studie von IAT, RVR und RWI

Pressemitteilung vom 16.04.2009
Redaktion: Claudia Braczko

Die Geschäftsfelder Prävention und Gesundheitsförderung versprechen im Ruhrgebiet gute Zukunftsaussichten, zumal die Region früher als andere vor der Herausforderung steht, den demografischen Wandel zu bewältigen. Notwendig sind bedarfsgerechte, innovative Angebote des gesunden Alterns ebenso wie neue Leistungen für Kinder und Jugendliche. Es gibt allerdings noch kein konsistentes Handlungskonzept; neben der Finanzschwäche der öffentlichen und vieler privater Haushalte erschwert die zersplitterte und unübersichtliche Struktur von Präventionsanbietern derzeit die Marktorientierung und die Erschließung des Selbstzahlermarktes. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT), des Regionalverbandes Ruhr (RVR) und des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zur Gesundheitswirtschaft in der Metropole Ruhr.

Neue Geschäftsmodelle im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung zielen auf eine Kombination der Leistungsbereiche Medizin, Wellness und gesundheitsorientierte Freizeitgestaltung. Häufig werden Angebote der Prävention und Gesundheitsförderung als Zusatzleistung allerdings “neben der Spur” entwickelt. Dies führt dazu, dass entweder dem Bedarf der Zielgruppen nur begrenzt entsprochen wird oder aber die Zielgruppe gar nicht erst erreicht wird. Insbesondere Qualitätssicherung und Evidenzbasierung müssen aus Verbraucherperspektive künftig an Bedeutung gewinnen. Auf Seite der Anbieter zeichnen sich verstärkt branchen- und einrichtungsübergreifende Entwicklungspartnerschaften ab. Der Wellness- und Fitnessmarkt im Ruhrgebiet, in dem Bäder in öffentlicher Trägerschaft als Infrastruktur eine wichtige Rolle spielen, stellt sich weniger differenziert dar als in anderen Großstadtregionen, so die Studie.

Wie eine Befragung unter 1.000 Personen der Metropole Ruhr ergab, steigt das Interesse an Gesundheits- und Wellnessangeboten. Gesundheitsbewusste Ernährung (78 Prozent), regelmäßige Vorsorge- (73 Prozent) und ärztliche Untersuchungen (70 Prozent) sowie regelmäßiger Sport (64 Prozent) gelten als wichtigste konkrete gesundheitsorientierte Maßnahmen und Verhaltensweisen, wobei Frauen stärker an Gesundheitsthemen interessiert sind als Männer.

Die regionale Versorgung mit Gesundheitsangeboten wird im Ruhrgebiet insgesamt als befriedigend bewertet. Hamm, Bochum und Herne erhalten hier die positivsten Bewertungen. Bei der Frage nach der Nutzung von Einrichtungs- und Angebotstypen in Wohnortnähe führen der Parkbesuch, gesundheitsorientierte Freizeitbäder und die Gesundheitsdienstleistungen der niedergelassenen Ärzte die Rangfolge an. Zusätzlich würden die Befragten vor allem gerne Kurangebote vor Ort (19 %), Wellness-Hotels, alternativmedizinische und betriebliche Gesundheitsangebote (je 16 %) sowie neue Gesundheitsangebote der Krankenhäuser (15 %) nutzen. Verstärkt nachgefragt werden zudem Angebote zur Entspannung und Stressabbau, medizinische Bäder sowie Fitnessangebote mit ärztlicher Begleitung.

“All dies sind Ansatzpunkte zur Markterschließung und Angebotsentwicklung”, so die IAT-Sozialwissenschaftlerin Michaela Evans. Eine Marketingstrategie ausschließlich auf Grundlage des Begriffs “Medical Wellness” aufzubauen, hält sie allerdings derzeit für wenig Erfolg versprechend: über einem Drittel der Befragten sagte der Begriff “Medical Wellness” nichts, 63 % der Befragten konnten Assoziationen damit verbinden. Rund 69 Euro im Monat geben die Befragten im Durchschnitt für die individuelle Gesundheitsförderung aus. Die Ausgaben steigen mit zunehmendem Alter, Einkommen und abhängig vom Gesundheitsstatus.

Insgesamt möchten die Befragten Prävention und gesundheitliche (auch die finanzielle) Eigenverantwortung weiter gestärkt sehen, weisen aber darauf hin, dass Gesundheits-, Wellness- und Präventionsangebote bezahlbar bleiben müssten. Verbesserungsbedürftig in der Metropole Ruhr seien vor allem die Informationsmöglichkeiten über vorhandene Angebote und der gesundheitsorientierte Ausbau der lokalen Wohn- und Freizeitinfrastruktur. Die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen dürfte infolge des demografischen Wandels weiter zunehmen und den zweiten Gesundheitsmarkt wachsen lassen, rechnen die Wissenschaftler. Dem werden jedoch Grenzen durch die tendenziell abnehmenden kaufkräftigen Bevölkerungsschichten gesetzt.

Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:

Michaela Evans