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Der „Virtuous Circle“ erfolgreicher Regionalentwicklung

Ergebnisse des Europäischen Forschungsprojekts „Corporate Culture and Regional Embeddedness“ (CURE) präsentiert auf der Internationalen Abschlusskonferenz in Brüssel bei der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union, organisiert vom Institut Arbeit und Technik (IAT)

Pressemitteilung vom 11.12.2009
Redaktion: Claudia Braczko

Auch Global Players sind eingebunden in ihren regionalen Kontext – das ist eine der Schlüsselbotschaften des EU-Projektes CURE. Selbst international agierende Konzerne sind abhängig vom regionalen Arbeitskräftepotenzial, von den Konsumenten und den Netzwerken vor Ort. Regionales Engagement ist dabei für viele Unternehmen eine der strategischen Optionen, den globalen Herausforderungen zu begegnen – aber viel versprechend. Wie Unternehmens- und Regionalkulturen zusammenwirken und sich gegenseitig beeinflussen, wie sie in Interaktion einen „Virtuous Circle“ erfolgreicher Regionalentwicklung erzeugen können, waren Schlüsselfragen des dreijährigen Europäischen Forschungsprojektes „Corporate Culture and Regional Embeddedness“ (CURE). Die Ergebnisse der interdisziplinären Untersuchungen in 210 Unternehmen aus sieben Europäischen Regionen wurden jetzt (03.12.2009) auf der Abschlusskonferenz in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung bei der EU in Brüssel präsentiert.

Unternehmen

Das CURE Projekt zielte mit seinen Untersuchungen auf vier Forschungsfelder: Innovation, Lebensqualität, Humankapital und Umweltverantwortung – allesamt besonders geeignet um die Interaktion zwischen regionalen und Unternehmens-Kulturen zu untersuchen. Eine signifikante Anzahl beteiligter Unternehmen ist deutlich in ihrer jeweiligen Region engagiert und in viele regionale Aktivitäten involviert, während andere sich eher ungebunden fühlen. „Der Anteil regional engagierter Unternehmen ist bei CURE im Durchschnitt ziemlich hoch in allen sieben Regionen, in einigen Regionen sogar über 50 Prozent“, wie Projekt-Koordinator Dr. Stefan Gärtner vom Institut Arbeit und Technik (IAT / Fachhochschule Gelsenkirchen) berichtete. Großunternehmen engagieren sich stärker regional als mittelgroße – und das, je länger sie schon in der Region ansässig sind. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass Unternehmen aus dem Ausland weniger für die Region tun. In einigen Fällen können sie allerdings die Regionalkultur mit ihren externen kulturellen Einflüssen durch positive Interaktion befruchten.

Regionen

Wie die CURE-Ergebnisse zeigen, findet die meiste Interaktion in den Regionen statt, in denen Unternehmens- und regionale Akteure aktiv zum kulturellen Wandel beitragen – etwa in vielfältigen Netzwerken. Netzwerk-Aktivitäten – informell, lokal oder jobbezogen – sind lebenswichtig für die Interaktion zwischen Unternehmens- und Regionalkulturen, um zu einem „virtuous circle“ zu werden: einem dynamischen Kreislauf, in dem regionale Besonderheiten, aber auch regionale Kontinuität und Identität erreicht werden durch ständige Erneuerung und Wandel.

Die Interaktionen zwischen Regional- und Unternehmenskulturen unterscheiden sich von Region zu Region, von Zeit zu Zeit, von Unternehmen zu Unternehmen. Man findet Regionen mit hohem Anteil an Großunternehmen und langjährigen Kooperationsbeziehungen, wie im Süd-Osten der Niederlande (Provinzen Limburg und Brabant), wo „das Beste aus verschiedenen Welten“ kombiniert ist. Prof. Emile Aarts, Vice President Philips Research Laboratories, berichtete auf der Konferenz über den erfolgreichen Weg zur „Open Innovation“ in der Region. In der Forschungsregion Steiermark wachsen die traditionell vertikal integrierten Unternehmenskulturen indem sie durch kooperative und vertrauens-basierte Typen von Unternehmenskultur ergänzt werden.

Die Regionen Györ/Ungarn und Süd-West Brandenburg – beide im ökonomischen und politischen Transformationsprozess – befinden sich etwa in der Aufbauphase für Trusts/ Großunternehmen und Netzwerke. Und im Fall von Wales ist es die Region selbst, die sich seit Kurzem als Marke promoted, nicht nur durch regionale Firmen, die walisische Markenprodukte anbieten, sondern auch durch die regionale Regierung. In Ostwestfalen-Lippe (OWL) hat die besondere Regionalkultur einige lang etablierte Familienunternehmen hervorgebracht, die Produkte hoher Qualität anbieten. Diese waren ursprünglich vermutlich wegen der lokalen und regionalen Nachfrage als haltbare Qualitätsprodukte konzipiert, die im Laufe der Zeit auch auf internationalen Märkten gut verkauft wurden.

Politik-Empfehlungen

Das CURE-Projekt hat eine Reihe von Schlüsselerkenntnissen und Konzepten für die weitere Entwicklung sowohl der Vision der regional eingebundenen Unternehmen wie auch des Konzepts der innovativen regionalen Kulturen geliefert. “Die Interaktion zwischen Unternehmen und Regionen sollte als ein dynamischer Prozess gesehen werden, der ständig ausbalanciert werden muss“, erklärte Peter Prud’homme van Reine, Projektpartner und Co-Autor der CURE Vergleichenden Analyse, die er mit seinem Kollegen Prof. Dr. Ben Dankbaar / Radbound University Nijmegen verfasste. „Paradoxerweise müssen Regionen sich permanent erneuern, um regionale Kontinuität und Identität zu erhalten, damit sie durch regionale Besonderheiten im globalen Wettbewerb bestehen können. In diesem Prozess ist regionales Engagement eine strategische Option für alle Typen von Unternehmen. Dass sie so handeln wird umso wahrscheinlicher, wenn die agierenden Unternehmens- und regionalen Akteure einen gemeinsamen Zielrahmen für die Region finden.

PD Dr. Dieter Rehfeld, CURE Project Director und Leiter des Forschungsschwerpunkts Innovation, Raum & Kultur am Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen), nannte drei Schlüsselaspekte für die Akteure regionalen und korporativen Handelns: (1) die Notwendigkeit von Steuerungsstrukturen, die Raum geben für besondere Formen regionaler Entwicklung basierend auf Regionalkulturen; (2) die Kommunikation regionaler Schlüsselfaktoren durch den Gebrauch von Symbolen wie Bildern, Icons, Geschichten, Helden etc. und (3) die Stärkung von Formen der regionalen Interaktion in der Weise, dass diese nicht bloß die Summe individueller Strategien darstellen, sondern das Ergebnis einer konzertierten Aktion.

Projekt und Partner

Im Rahmen des vom Institut Arbeit und Technik (IAT/ FH Gelsenkirchen) koordinierten Projektes wurden in einem internationalen und interdisziplinären Team über 210 Unternehmen in sieben Regionen aus sechs europäischen Ländern (Ostwestfalen-Lippe, Wales/UK, Györ/Ungarn, Steiermark/Österreich, Basel/Schweiz, Südost Brandenburg, Südost Niederlande) befragt und 21 vertiefende Studien zum Zusammenhang zwischen regionaler Kultur und Unternehmenskultur durchgeführt.

Das Projektkonsortium setzt sich aus den folgenden sieben Partnerinstituten zusammen:
• Institut Arbeit und Technik, Deutschland
• Universität Györ, Ungarn
• Universität Cardiff, Wales
• Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Deutschland
• Radboud University Nijmegen, Niederlande
• Fachhochschule Nordwestschweiz, Schweiz
• Wirtschaftsuniversität Wien, Österreich

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Alexandra David
Stefan Gärtner
Dieter Rehfeld

Abbildung Abschlusskonferenz in Brüssel

Präsentation der Projektergebnisse auf der Abschlusskonferenz in Brüssel. Foto: IAT