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Auswirkungen institutioneller Rahmenbedingungen auf das individuelle und betriebliche Qualifizierungsverhalten am Beispiel der Gesundheitswirtschaft / RaQua

Ziel und Aufgabenstellung

Spätestens seit den 80er Jahren ist in der Bundesrepublik Deutschland der tertiäre Sektor – gemessen an der Zahl der dort Erwerbstätigen – der wirtschaftlich dominierende Sektor. Obwohl der Strukturwandel der letzten Jahre maßgeblich durch die Beschäftigungsdynamik in den personenbezogenen Dienstleistungen geprägt wurde, werden die Themenfelder Arbeitsmarkt, Ausbildung und Qualifizierung häufig lediglich mit Blick auf den produzierenden Sektor debattiert. Die Lösung derzeit bestehender Strukturprobleme hängt jedoch wesentlich von der Beantwortung der folgenden Fragen ab: Wo liegen eigentlich innovative Beschäftigungsfelder der Zukunft? Über welche neuen Berufe und zusätzlichen Qualifikationen können diese Beschäftigungsfelder erschlossen werden? Und schließlich: Welche weitergehenden Qualifikationen sind zur Modernisierung bereits bestehender Berufs- und Beschäftigungsfelder erforderlich?

Eine Branche mit hervorragenden Entwicklungsperspektiven für Wirtschaft und Beschäftigung ist die Gesundheitswirtschaft. Mit ihren derzeit rund 4,3 Mio. Beschäftigten bundesweit ist die Gesundheitswirtschaft schon heute von weitreichender ausbildungs- und arbeitsmarktpolitischer Bedeutung. Bis zum Jahr 2015 wird ein weiteres Wachstum der Beschäftigtenzahlen auf über 5 Millionen prognostiziert. Der steigende Bedarf nach qualitativ hochwertigen gesundheitsbezogenen Dienstleistungen impliziert sowohl die Steigerung der Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in bereits bestehen Gesundheitsberufen als auch nach neuen Berufsbildern in diesem Sektor. Allerdings befindet sich die Gesundheitswirtschaft derzeit in einem gravierenden Umbruchprozess, der die beruflichen Herausforderungen und im Weiteren den Qualifizierungsbedarf der Branche nachhaltig beeinflusst.

Die Expertise im Auftrag der Expertenkommission “Finanzierung Lebenslangen Lernens” soll Antworten auf folgende Fragestellungen liefern:

  • Welche Veränderungen hinsichtlich der institutionellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit Wirkung auf den betrieblichen und individuellen Qualifizierungsbedarf in der Gesundheitswirtschaft lassen sich nachzeichnen?
  • Welche neuen und zusätzlichen Anforderungen werden hierdurch an die Betriebe und an die Qualifikation der Beschäftigten gestellt und welche konkreten Qualifikationsbedarfe können hieraus für die Gesundheitswirtschaft abgeleitet werden?
  • Wie wird der Qualifizierungsbedarf der Branche derzeit eingelöst? Erfüllt das System der beruflichen Aus- und Weiterbildung die notwendigen Anforderungen an ein kohärentes System lebenslangen Lernens in den Gesundheitsberufen?

Vorgehen

Im Rahmen der vorliegenden Expertise diente zunächst die Analyse der Sekundärliteratur der Exploration der wichtigsten Entwicklungs- und Modernisierungstrends der Branche. Die darüber hinaus präsentierten empirischen Ergebnisse basieren nicht auf einer einzigen Erhebung, sondern sind aus unterschiedlichen Datenquellen bzw. Untersuchungen zusammengestellt worden, welche jedoch für sich durchaus Repräsentativität beanspruchen können. Die vorliegende Expertise hat in diesem Sinne zunächst explorativen Charakter. Einzelne Teilaspekte im Zusammenhang der Modernisierung, der Qualifikationsentwicklung und des Qualifikationsbedarfs der Gesundheitswirtschaft wären in entsprechenden Teilstudien noch weiter zu vertiefen.